Loklisten oder wie speichern Modellbahnzentralen die Triebfahrzeuginformationen?

Jede oder fast jede Modellbahnzentrale speichert die Triebfahrzeuginformationen anders. Ist das nicht schon verwirrend genug, wird es noch lustiger, wenn Systeme verschiedener Zentralenanbieter zusammentreffen. Das ist z.B. der fall, wenn man mit Märklins kleiner MS2 mit Gleisbox, MS2 mit der großen CS2 oder der CS3 verbindet oder auf private Entwicklungen wie der SRSEII-Gleisbox zurückgreift und das ganze dann noch mit der z21-App von Roco vermischt.

Dazu werde ich in diesem Beitrag einen kleinen Überblick geben und hoffentlich etwas Klarheit schaffen. Dabei wird es in erster Linie um die MS2, CS2, die SRSEII-Gleisbox und natürlich die z21-App gehen. Ferner werden auch die RemoteCS2-App, der LoDi-Con und die Software RailControl angesprochen werden.

Grundsätzlich lassen sich die zwei Systematiken der Loklistenverwaltung in zentral vs. dezentral einordnen. Während bei der Märklin MS2, CS2 und CS3 aber auch z.B. bei der Esu ECoS die Lokdatenbank oder auch Lokliste in der Zentrale zentral gespeichert wird und alle Steuergeräte auf diese eine zentrale Lokliste zugreifen, arbeitet z.B. die Roco z21/Z21 nicht mit einer zentralen Lokliste. Jedes Steuergerät (Multimaus, z21-App auf Smartphone oder Tablet) verwaltet seine Lokliste autark oder eben dezentral. Beide Systeme haben ihre Vor- und Nachteile, die hier nicht weiter zur Diskussion stehen sollen.

MS2 an Gleisbox

Die MS2 speichert die Lokliste im eigenen Speicher. Sind zwei oder mehr MS2 an einer Gleisbox angeschlossen, so wird eine MS2 zur Master-MS2 (die mit der niedrigsten Seriennummer) und alle weiteren MS2 sind Slaves. Alle MS2 verwenden die Lokliste der Master-MS2. Eine neue Lok kann nur an der Master-MS2 angelegt werden, steht dann aber wieder allen MS2 zur Auswahl. Die Anzahl der gespeicherten Loks ist auf 40 begrenzt, mehr Speicherplätze stehen auf der MS2 nicht zur Verfügung!

MS2 an CS2/CS3

Ist eine MS2 an eine CS2/CS3 angeschlossen, ist die MS2 ein Slave und verwendet die Lokliste der CS2/CS3. Die Anzahl der gespeicherten Loks auf der CS2/CS3 ist nicht begrenzt. Die Slave-MS2 kann auf alle Loks der CS2/CS3 zugreifen aber nur 40 gleichzeitig auf den Speicherplätzen ablegen.

MS2 an SRSEII-Gleisbox

In dieser Konstellation wird es jetzt schon komplex und wir werden uns damit etwas eingehender beschäftigen müssen. Die MS2 verwendet wie im 1. Fall auch die eigene, interne Lokliste. Die Lokliste der MS2 wird mit der Funktion F0 der virtuellen Lok „Lokliste“ aus der MS2 in die SRSEII-Software importiert. Das bedeutet, die Software auf dem SRSEII liest über den Märklin CAN-Bus die Lokliste aus der Master-MS2 aus und schreibt sie in eine Datei „lokomotive.cs2“. Hier lohnt ein kleiner Verweis auf die beiden Hardware-Lösungen BananaPi und SRSEII von Gerhard Bertelsmann. Beide Erweiterungen eint, dass sie quasi eine Märklin CS2 simulieren. Entsprechend finden sich auf ihnen eben wie bei einer echten Märklin CS2 diverse Konfigurationsdateien, so eben auch die lokomotive.cs2, in der alle auf der MS2 angemeldeten Lokomotiven mit Lokprotokoll, Lokadresse, Lokname, Lok-Icon und Funktionen gespeichert sind. Hier ein Ausschnitt als Beispiel:

lokomotive
 .name=85 007
 .uid=0xc007
 .adresse=0x7
 .typ=dcc
 .sid=0x1
 .mfxuid=0x1
 .icon=85 007
 .symbol=3
 .av=60
 .bv=40
 .volume=100
 .progmask=0x42
 .tachomax=80
 .vmax=50
 .vmin=13
 .xprot=2
 .funktionen
 ..nr=0
 ..typ=4
 ..wert=1
 .funktionen
 ..nr=1
 ..typ=4
 ..wert=1

Während die Master-MS2 und die Slave-MS2 auf die Lokliste der Master-MS2 zugreifen, können Apps wie die RemoteCS2-App, die Märklin Mobil Station App oder PC-Software wie WinDigipet etc. nur auf die Loks zugreifen, die in der lokomotive.cs2 stehen. Apps und Modellbahnsoftware wie WinDigipet lesen also die Informationen aus der lokomotive.cs2, die auf dem SRSEII gespeichert ist, nicht direkt aus der MS2!

Begrenzung der MS2 auf 40 Loks

Wie oben erwähnt, kann eine MS2 maximal 40 Loks speichern. Diese Begrenzung gilt aber nicht für die lokomotive.cs2-Datei auf dem SRSEII! Das kann man sich zu Nutze machen, wenn man mit der SRSEII-Gleisbox oder der BananaPi-Erweiterung arbeitet.

Die virtuelle Lok „Lokliste“ kennt vier Funktionen, F0, F1, F2 und F4 (siehe auch Neue Funktionen für BananaPi mit Railcontrol):

F0 Neue Loks aus der MS2 Lokliste auf BananaPi importieren/aktualisieren
F1 Loklistenimport in Railcontrol aktivieren
F2 Railcontrol neu starten
F4 Lokliste auf BananaPi löschen und Lokliste von der MS2 neu importieren

Mit der Funktion F0 werden neue Loks aus der MS2 Lokliste auf den SRSEII/BananaPi importiert bzw. aktualisiert, während F4 die Lokliste auf dem SRSEII/BananaPi löscht und die Lokliste von der MS2 neu importiert.

Was macht man also, wenn alle 40 Speicherplätze der MS2 belegt sind und sich keine weitere Lok auf der MS2 speichern lässt? Man löscht eine oder mehrere Loks aus der MS2, um Speicherplätze frei zu machen und speichert dort z.B. 10 weitere Loks. Mit der Taste F0 werden nun diese 10 neuen Loks aus der Lokliste der MS2 in die lokomotive.cs2 auf dem SRSEII/BananaPi importiert. Die lokomotive.cs2 enthält jetzt also 50 Loks (die 40 bisher gespeicherten plus die 10 neuen Loks). Denn F0 übernimmt nur neue Loks und Änderungen an Loks aber löscht keine vorhandenen Loks aus der lokomotive.cs2!

Mit der RemoteCS2-App, Windigipet, Märklin Mobil Station App etc. kann man nun also auf 50 Loks zugreifen, die in der lokomotive.cs2 gespeichert sind. Aber Achtung! mfx-Loks dürfen nicht von der MS2 gelöscht werden! Warum, dazu unten mehr im Absatz Besonderheiten beim Einsatz von mfx-Decodern!

z21-App und z21-Emulation

Verwendet man die z21-Emulation und die z21-App, so ist die lokomotive.cs2 fast völlig unwichtig. MM- und DCC-Loks legt man einfach in der z21-App an, egal, ob sie in der lokomotive.cs2 existieren oder nicht. Nur bei mfx-Decodern braucht man die lokomotive.cs2, um die aktuelle mfx-Adresse auszulesen, die mfx-Decoder und MS2 ausgehandelt haben. Diese kann man dann in der z21-App eintragen. Zur speziellen Handhabung der z21-App bezüglich der Eingabe von mfx- und DCC-Adressen siehe z21-Emulator auf dem SRSEII

RailControl

RailControl greift wie die RemoteCS2-App auf die lokomotive.cs2 des SRSEII zu. Das besondere ist jedoch, dass RailControl wiederum eine eigene Loklistenverwaltung hat. Man hat also die Möglichkeit, einerseits Loks manuell in RailControl anzulegen oder aber gezielt eine Lok aus der SRSEII-Lokliste zu importieren. Siehe dazu auch den Beitrag RailControl – Weitere News.

Lokimport von MS2 / CS2 in RailControl

LoDi-Con

Der LoDi-Con von Lokstore Digital verhält sich ähnlich wie Railcontrol. Der Anwender kann einerseits unabhängig von der Lokliste auf dem SRSEII oder der CS2/CS3 Loks manuell auf dem LoDi-Con anlegen oder aber, was natürlich viel bequemer ist, alle oder auch nur einzelne Loks aus der Lokliste des SRSEII/CS2/CS3 in den LoDi-Con importieren. In diesem Fall ist die Anzahl der speicherbaren Loks wiederum auch nur auf der MS2 begrenzt, auf dem SRSEII/CS2/CS3 und dem LoDi-Con besteht diese Begrenzung nicht.

Lok-Import von SRSEII-Gleisbox mit dem LoDi-Con

Besonderheiten beim Einsatz von mfx-Decodern

Ich hatte oben schon erwähnt, dass man mfx-Loks nicht von der MS2 löschen sollte! Das liegt daran, dass eine mfx-Lok nicht direkt über eine feste Adresse angesprochen wird. Schauen wir uns also nochmal einen Lokeintrag in der lokomotive.cs2 an:

lokomotive
 .name=Ub 709 SJ
 .uid=0x4007
 .adresse=0x7
 .typ=mfx
 .mfxuid=0x73fc8476
 .icon=Ub 709 SJ
 .av=20
 .bv=20
 .volume=220
 .tachomax=0
 .vmax=165
 .vmin=1
 .stand=0
 .fahrt=0
 .funktionen
 ..nr=0
 ..typ=1

Die Lok hat eine .uid, eine .adresse und eine .mfxuid:

.uid=0x4007
.adresse=0x7
.mfxuid=0x73fc8476

Die .mfxuid ist fest im Decoder gespeichert, sie ist nicht änderbar und einmalig. Meldet sich ein mfx-Decoder an einer mfx-Zentrale an, weist die Zentrale dem Decoder eine .adresse zu. Für gewöhnlich ist die .uid in den ersten drei Stellen identisch mit der .adresse, nur die Schreibweise unterscheidet sich (0x4007 / 0x7). Die Zentrale speichert sich die Zuordnung .adresse zu .mfxuid ab. Wird nun ein befehl an die .adresse gesendet, wird dieser an den Decoder mit der zugewiesenen .mfxuid geleitet.

Wird nun aber die mfx-Lok in der Zentrale gelöscht, dann weiß die Zentrale nicht, welche .adresse zu welchem mfx-Decoder gehört. Entsprechend lässt sich der mfx-Decoder nicht mehr ansprechen. Erst wenn sich der mfx-Decoder wieder an der Zentrale angemeldet hat, kann die mfx-Lok wieder gesteuert werden.

Daher bleibt bei der Kombination MS2 mit SRSEII/BananaPi die Begrenzung auf 40 Lokomotiven insofern bestehen, dass man nicht mehr als 40 mfx-Decoder in der MS2 speichern und ansprechen kann.

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7 Kommentare

  1. Guten Morgen,
    ich vermutete bisher, dass die Loks in der Gleisbox gespeichert werden. Wenn ich mehrere Gleisboxen habe, dann zeigt mir die MS2 auch nur die Loks, die mit der jeweiligen Gleisbox angelegt wurden. Jetzt könnte man vermuten, dass die MS2 sich merkt, für welche Gleisbox welche Loks zur Verfügung gestellt werden. Ich habe aber neulich eine gebrauchte Gleisbox bekommen und in Verbindung mit dieser waren ganz andere Loks in der MS2 …
    Wie geht das?
    LG Martin

    1. Hallo Martin,
      ich habe eben Mal den Test mit drei anderen MS2 gemacht, ich habe hier 4 Stück rumliegen, von denen ich aber eigentlich nur eine benutze. Entsprechend haben die anderen drei auch völlig unterschiedliche Loklisten.
      Wenn ich eine MS2 abziehe und eine andere anstecke, bekomme ich auch jeweils eine andere Lokliste angezeigt. Die Lokliste wird also offensichtlich auf der MS2 gespeichert, nicht in der Gleisbox. Daher ist auch klar, dass bei zwei oder mehr MS2 am gleichen CAN-Bus eine MS2 der Master ist und die anderen Slaves.

      Ich mache morgen nochmal den Gegentest mit unterschiedlichen Gleisboxen an der jeweils gleichen MS2.

      Gruß
      Moritz

    2. Moin Martin,
      ich habe nochmal einen Gegentest gemacht: Alle vier MS2 nochmal an einer anderen Gleisbox angesteckt. Und siehe da, jede MS2 zeigt an der 2. Gleisbox eine andere Lokliste als an der 1. Gleisbox. D.h. bei vier MS2 und zwei Gleisboxen werden mir 8 verschiedene Loklisten angezeigt!!!

      So, also jetzt frage ich mich ja, wo wird denn nun die Lokliste gespeichert, in der MS2 oder in der Gleisbox oder in einer Kombination aus MS2 und Gleisbox???

      Ich bin da gerade auch etwas verwirrt!

      1. Hallo Moritz,
        da liege ich also mit meiner Vermutung nicht ganz falsch, dass auch auf der Gleisbox irgendwas gespeichert wird. Danke für deine Tests.
        LG Martin

        1. Hallo Martin,
          es sieht so aus, dass die MS2 sich Informationen zu den Gleisboxen speichert. Die Gleisbox hat keinen Speicher, in dem eine Lokliste speicherbar wäre. Ich werde dazu aber auch den CAN-Bus beobachten, was man da sehen kann.

          1. Ergänzend noch die Ergebnisse eines weiteren Tests:
            Ich habe eine MS2 auf Werkseinstellungen zurückgesetzt. Damit ist der Speicher der MS2 komplett gelöscht. Wenn ich diese MS2 an verschiedene Gleisboxen anschließe, wird bei allen Gleisboxen keine Lok angezeigt.

            Es scheint also so zu sein, dass
            – die Gleisbox keine Loklisten speichert
            – die MS2 die Loklisten für jede Gleisbox getrennt speichert!

            Wenn man also drei Anlagen mit jeweils eigener Gleisbox hat, dann verwaltet die MS2 jeweils für jede Gleisbox die Loklisten getrennt!

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